Stationäre Angebote

Die interdisziplinäre Schlafmedizin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie setzt moderne diagnostische Methoden ein, sie hat darüber hinaus die Infrastruktur für methodische und instrumentelle Weiterentwicklungen sowie für die Durchführung klinischer Studien auf internationalem Standard. Derzeit können in bis zu vier Schlaflaboren umfangreiche polysomnographische Untersuchungen durchgeführt werden. Für Tagesvigilanzmessungen werden neben dem polysomnographischen Multiplen-Schlaflatenztest (MSLT) verschiedene computergestützte Verfahren zur Aufmerksamkeitstestung sowie die Pupillometrie eingesetzt.

Probandin mit den für die polysomnografische Ableitung notwendigen Elektroden

Steht bei einer Schlafstörung die Erfassung der Schlafstruktur im Mittelpunkt des Interesses, muss der Patient/die Patientin mindestens in zwei aufeinander folgenden Nächten untersucht werden. Die erste Nacht dient der Gewöhnung an das Labor.

Am Abend der Ableitung werden den Patienten Messfühler (Elektroden, Atemgürtel, Atemfühler, ein kleines Mikrophon am Hals etc.) angelegt. Die Elektroden werden mit einem speziellen Kleber (Collodium) angebracht. Sie sind so gut befestigt, dass weitgehende Bewegungsfreiheit möglich ist. Am Morgen sind sie wieder leicht zu lösen.

Nach dem Löschen des Lichtes kann die Nachtwache per Video immer sehen, ob im Schlafraum alles in Ordnung ist. Am Morgen gibt der Patient Urin zur Bestimmung von vigilanzbeeinflussenden Substanzen ab und wir führen eine Blutentnahme zur Bestimmung von Routine-Parametern durch (unter anderem Blutbild, Leber-, Nieren- und Schilddrüsenwerte, Gerinnungswerte). Die Patienten füllen vor und nach der Schlafuntersuchung Fragebögen aus, in die sie Ereignisse des Tages, die Einschätzung der Tagesbefindlichkeit und des Schlafes eintragen. Die Nachtschlafableitung wird zusammen mit diesen Informationen interpretiert.

aufgezeichnete Biosignale

Aufgezeichnete Biosignale

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In unserem Labor werden folgende Biosignale gleichzeitig aufgezeichnet:

  • Das Elektroenzephalogramm (EEG, Hirnstromkurve)
  • Das Elektrookulogramm (EOG, Augenbewegungen)
  • Das Elektromyogramm (EMG, Muskelaktivität) am Kinn und an beiden Beinen
  • Das Elektrokardiogramm (EKG)
  • Der Atemfluß mit Fühlern (Thermistoren) an Nasenöffnungen und Mund
  • Die Atemanstrengung von Brust und Bauch mittels Atemgürtel
  • Die Sauerstoffsättigung mittels Pulsoximetrie (Clip an der Fingerbeere)
  • Das Schnarchen mittels eines Kehlkopf-Mikrophones
  • Die Körperkerntemperatur mittels eines biegsamen Thermometers
  • Die Körperbewegungen mittels eines Bettaktometers (am Bett befestigter Bewegungsmelder)

Schlafauswertung

Aus den aufgezeichneten Biosignalen wird zum einen ein Schlafprofil ermittelt, d.h. die Aufzeichnung wird in 30 sec Einheiten (Epochen) unterteilt und basierend auf dem EEG, dem EOG und dem EMG wird nach den Kriterien der American Association of Sleep Medicine (AASM) ein Schlafstadium zugeordnet. Dabei werden insgesamt vier Schlafstadien unterschieden: REM-Schlaf und NREM-Schlaf, wobei letzterer in drei Stadien untergliedert werden kann: N1 (leichtschlaf), N2 und N3 (Tiefschlaf). Eine grafische Darstellung der zugewiesenen Stadien ergibt das Schlafprofil (siehe Abbildung). Darauf können Informationen zur Schlafqualität abgeleitet werden, u.a. die Zeit von „Licht aus“ bis zum Einschlafen (Schlaflatenz), die Wachzeit währen der Nacht, sowie die Verteilung und Dauer der einzelnen Schlafstadien. Darüber hinaus gibt es Informationen zur Häufigkeiten von Aufwachereignissen, Schlafstadienwechseln und sehr kurze Beschleunigungen des EEGs (Arousal). Die weiteren aufgezeichneten Biosignalen geben u.a. Auskunft darüber, ob die Atmung im Schlaf gestört ist bzw. ob den Schlaf störende Bewegungen zu beobachten sind.

Bei unklarer Tagesmüdigkeit wird der Multiple Wachbleibe-Test (MWT) durchgeführt. In diesem werden die Elektroden am Morgen nicht gelöst. Der Patient/die Patientin wird am Tag zwischen 09:00 Uhr und 16:00 Uhr viermal gebeten, über einen Zeitraum von 40 min wachzubleiben, während er/sie mit einem Kissen im Rücken unterstützt im Bett sitzt. Bei der Verdachtsdiagnose einer Narkolepsie wird zusätzlich ein Multipler Schlaflatenz-Test (MSLT) durchgeführt, der sich vom MWT dadurch unterscheidet, dass er insgesamt fünfmal durchgeführt wird (09:00 – 17.00 Uhr), die Patienten im Bett liegen und die Anweisung darin besteht, zu versuchen, einzuschlafen. Bei beiden Tests wird das EEG abgeleitet. Im MWT wird überprüft, ob die Patienten wachbleichen können. Falls nicht, wird die Zeit bis zum Einschlafen gemessen. Im MSLT wird ebenfalls die bis zum Einschlafen erhoben sowie überprüft, ob innerhalb eines Zeitraums von 15 min REM-Schlaf auftritt.

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Kontakt

Kompetenzzentrum Schlafmedizin (CC15)
Charité Universitätsmedizin Berlin
Campus Benjamin Franklin
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin

t: +49 30 450 517 577
f: +49 30 450 517 941